Living Theatre Projekt Köln

Maria Nora ist Schauspielerin des Living Theatre seit 1982. Sie hat in vielen Produktionen des Living Theatre mitgewirkt. Gemeinsam mit Stephan Schulberg führte sie in den vergangenen Jahrzehnten viele Workshops durch, die mit Theateraufführungen abschließen.
In diesen Workshops vermittelt Maria Nora Arbeitsweisen und
Darstellungsformen des Living Theatre sowie die Biomechanik
- ein spezielles Training für Schauspieler, erfunden von
Vsevolod Meyerhold und entwickelt vom Living Theatre.
Körpertraining und Stimmbildung sind Bestandteile der Theaterarbeit.
Die Suche nach Ursprüngen, Gründen und Richtungen
gesellschaftlicher Grundsätze sind Thema der Theaterarbeit,
ebenso aktuelle, von den TeilnehmerInnen vorgeschlagene Inhalte.
Theater ist ein Raum, in dem sich das Politische und Spirituelle
treffen, das Gesellschaftliche und das Individuum.
Im theatralischen Ritual setzt sich der Einzelne so wie auch die
Gruppe frei. Es entstehen Möglichkeiten und Kräfte, die vorher
nicht erkennbar waren und in der Theaterarbeit ihren Ausdruck finden.

In Soloperformances bearbeitet Maria Nora Themen wie: Arbeit, Essen, Gender.

Biomechanik

Die Biomechnik ist ein Schauspieltraining, das von
Vsevolod Meyerhold (1874-1939) zu Beginn des
vorigen Jahrhunderts in Russland entwickelt
wurde. Auf der Suche nach neuen Formen des
sozialen und wirtschaftlichen Lebens entstanden
auch neue Ausdrucksformen in der Theaterkunst.
Die Biomechanik befähigt SchauspielerInnen
durch genaue Bewegungsstudien rasch zu
darstellerischer Ausdruckskraft und
Bühnenpräsenz zu gelangen. Körperkontrolle,
Koordination der Bewegung im Raum,
Rhythmus und Genauigkeit der Bewegung werden geübt.
In seiner Straßentheaterarbeit entwickelte das Living Theatre neue biomechanische Studien. Es entstanden szenische Elemente dramatischer Wirkung mit Text und Gesang.

Die Pest

Die Pest ist ein theatralisches Ritual, inszeniert durch das Living Theater. Sie ist sowohl eine Schauspielübung als auch eine theatralische Szene. Die Idee dazu stammt von Antonin Artaud.

Antonin Artaud (1896-1948) war Dichter und Verfasser von Theatertexten. In seinem Buch Das Theater der Grausamkeit entwickelt er eine Kritik des westlichen Theaters als repräsentierende Kunst. Nach Artaud muss der Auftritt eines Schauspielers ehrlich sein,
er muss auf der Bühne brennen. Keine Lügen, kein Vortäuschen von Gefühlszuständen, sondern echtes Seelenspiel als Rebellion gegen die Lieblosigkeit der Welt.
Als Judith Malina und Julian Beck Artauds Ideen entdeckten, fanden sie in seiner Arbeit und seinem Verständnis von Theater, wonach sie gesucht hatten: den Ausdruck echter Gefühle, von Schmerz und Grausamkeit. Theater als Reinigung der Seele, nichts aufbauschen, keine Effekte. Keine Psychologisierung, keine Charakterkonstruktion, sondern ein Seelenspiel echter Gefühle, wie man sie vielleicht schon einmal erfahren hat, die kunstvoll zu Ausdruck kommen müssen. Artauds Theorie wurde grundlegend für die theatralische Arbeit des Living Theatre. Die Pest ist ein wichtiger Ausdruck dessen.

               * * *

“Es muss Kunst sein
Es muss echt sein
Es darf nicht echt sein (kein Blut)
Es muss politisch sein
Es muss Schauspiel sein
Es muss sprachgewandt sein wie der Text selbst, nicht untergeordnet. Nichts Untergeordnetes. Anarchie.
Theater der Grausamkeit ohne politisches Ziel/soziales Handeln wird zu seinem Gegenteil,
Verführung zum Sadismus”
Julian Beck,  Theandric


Theater

The Living Theatre

Aktuelles

Training

email